Erst mit den richtigen Beschichtungen wird ein Brillenglas komplett. Durch die verschiedenen Veredelungen erhält es die Oberfläche und die optische Qualität, die es zu einem für den Brillenträger optimal nutzbaren Ganzen machen.
Hartschichten machen die Oberflächen robuster und schützen Kunststoffgläser vor zu schnellem Verkratzen, Reinigungsschichten unterstützen diesen Effekt, machen die Gläser zusätzlich unempfindlich gegen Staub und Schmutz, die Gläser werden brillanter und haltbarer.
Farben machen Brillengläser u.a. zu optischen und modischen Sonnenschutzprofis.
Den krönenden Abschluss in der Beschichtungsreihe setzen Entspiegelungen.
Sie unterstützen die optische Qualität der Brillengläser, die reflexfreie Sicht und die Sicherheit in allen Lebenslagen.
Wie ist ein veredeltes Brillenglas aufgebaut?
Ein veredeltes Brillenglas besteht technisch aus zwei Komponenten:
1. aus dem (ggf. gefärbten) Kunststoffbrillenglas mit seiner optischen Wirkung und
2. den darauf aufgebrachten Schichten.
Wegen der Bruchfestigkeit, des geringen spezifischen Gewichtes und der guten Einfärbbarkeit werden Kunststoffe als Materialien für Brillengläser immer beliebter. In Frankreich, Großbritannien, den USA und Kanada liegt ihr Marktanteil schon über 80%, in Deutschland bei ungefähr 60%.
Abb. 1: Prinzipieller Aufbau eines beschichteten Kunststoffbrillenglases
Die Kratzschutzschicht (PAROLACK®) ist die erste Schicht auf dem Kunststoffsubstrat. Die bildhaft als „Hartschicht“ bezeichnete Schicht muss sorgfältig an das jeweilige Kunststoffmaterial angepasst werden. In der Regel sind Hartschichten zwischen 1 und 3μm dick (zum Vergleich: der Durchmesser eines menschlichen Haares beträgt 100µm). Die Hartschicht vermittelt zwischen dem relativ spröden Beschichtungsmaterial für die AR®-Schicht und dem flexiblen Kunststoffmaterial des Brillenglases. Hartschichten besitzen etwa die 10-fache Dicke einer reflexionsmindernden Schicht.
Die AR®-Schicht (AR® = anti reflection) besteht aus mehreren sehr dünnen Schichten: die Gesamtdicke liegt im Bereich von 250nm. Es ist eine interferierende Schicht, d.h. dass sich Wellenzüge des Tageslichtes zu bestimmten Teilen auslöschen. Reflexionsmindernde Schichten erhöhen die Transmission (Lichtdurchlässigkeit) und schränken folglich die Reflexion optischer Flächen ein. Die Minderung von unerwünschten Reflexionen sorgt für eine leichte Kontrasterhöhung im Bild, also für das bessere Wahrnehmen von Helligkeits- und Farbunterschieden.
Die Topcoat, oft auch als Cleancoat bezeichnet, ist eine sehr dünne Schicht, die optisch keine Funktion haben darf. Sie glättet die Oberfläche und reduziert Verschmutzungen von Brillengläsern. Sie hat eine hydrophobe (wasserabweisende) Wirkung, was die Reinigung der Gläser erleichtert.
Literatur:
Blendowske, Ralf; Diepes, Heinz: Optik und Technik der Brille, Heidelberg: Optische Fachveröffentlichung GmbH 2002, ISBN: 3-922269-34-6
JOT 1 (Journal für Oberflächentechnik) Jahresband 1995, Wiesbaden: Verlag Vieweg 1996
Sonnenberg, Frank: Das ist die Härte, erschienen in OPTIC + VISION 5/6 2001 Mainz: Vereinigte Fachverlage GmbH 2001 S. 34f.
Tönnies, Sandra: Grundlegende Untersuchungen zum computerunterstützten Design reflexionsmindernder Schichten, Diplomarbeit FH Aalen, Studiengang Augenoptik 09/2001
AR®, PAROLACK®, Parolit® sind eingetragene Marken der Eugen Stratemeyer GmbH & Co. KG


